Christusgemeinde geht großes Vorhaben an: Erschließung eines modernen Gemeindezentrums

13. Oktober 2022

„Müssen Weihnachten 2024 fertig sein“

VON JÜRGEN BOHLKEN Kreiszeitung 13. Oktober 2022

Harpstedt – Um in den Genuss der bewilligten bis zu 200000 Euro aus dem „Zile“-Programm für den Umbau des Ersten Pfarrhauses in Harpstedt zu einem zukunftsfähigen Gemeindezentrum zu kommen, muss die Maßnahme bis Weihnachten 2024 abgeschlossen sein. Das Vorhaben erfordert eine Bebauungsplanänderung durch den Flecken Harpstedt. 60 Prozent der auf rund eine Million Euro geschätzten Maßnahmenkosten trägt der Kirchenkreis Syke-Hoya. Die evangelische Christusgemeinde erleichtert ihre Rücklagen, um ihren Eigenanteil in Höhe von voraussichtlich rund 200000 Euro stemmen zu können. Ein Darlehen ist nicht vorgesehen. Kirchengemeindeseitig fließen auch Erlöse aus Grundstücksverkäufen ein. Ebenso Spenden. Schreiben mit der Bitte um ein freiwilliges Ortskirchgeld gehen demnächst raus.

Das sind nur einige von vielen Einzelheiten, die am Dienstagabend während einer Informationsveranstaltung in der Christuskirche zur Sprache kamen. Gut 20 Interessierte wollten wissen, wie weit die Planungen für das Erste Pfarrhaus gediehen sind. Rede und Antwort standen Pastor Gunnar Bösemann als Kirchenvorstandsvorsitzender, Architektin Imke Hartmann vom Amt für Bau- und Kunstpflege (Verden) und Susanne Lübker vom Kirchenamt in Sulingen.

Warum die Kirchengemeinde gerade in Zeiten hoher Baustoffpreise ein solch ehrgeiziges Bauvorhaben angeht, blieb den Zuhörern nicht verborgen. „Die letzte Förderperiode im Rahmen des ,Zile’-Programms ist gerade ausgelaufen. Wir sind glücklicherweise noch in die Förderung gekommen. Die nächste Periode beginnt 2023. Wir wissen nicht, wie viel Mittel dann zur Verfügung stehen“, sagte Lübker. Einen weiteren Grund nannte Pastor Bösemann: „Der Kirchenkreis Syke-Hoya hat jetzt zugesagt, nicht unerhebliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Wir können nicht sagen, wie das in zwei Jahren aussähe.“

„Der Kirchenvorstand hat es sich mit der Entscheidungsfindung definitiv nicht leicht gemacht und viele Details diskutiert. Das Ergebnis ist, wie ich finde, rund und gut geworden“, urteilte Imke Hartmann.

„Wenn der Pastor ein Konzept vorstellt, ist das ein bisschen so, als würde der Bock zum Gärtner gemacht. Ich bin als Theologe ja eigentlich fachfremd“, leitete Gunnar Bösemann seine Ausführungen schmunzelnd ein. Mindestens seit 2015 beschäftige sich der Kirchenvorstand schon damit, ein zukunftsfähiges Gebäudekonzept für die Kirchengemeinde zu entwickeln.

„Einhäusigkeit“ als erklärtes Ziel

„In diesem ganzen Prozess“, so Bösemann, „kristallisierten sich mehrere Dinge heraus. So etwa die Erkenntnis, dass sich die Bedarfsflächen unserer Kirchengemeinde möglichst in einem Gebäude konzentrieren sollen. Wir nennen das Einhäusigkeit. Unser Ziel war es, die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Gruppen zu berücksichtigen. 2017 gab es sogar eine Mitgliederbefragung. Wir wollten eben nicht in die Falle laufen, an den Bedarfen vorbei zu planen.“ Als Ziel wurde ein zukunftsfähiges Konzept formuliert, das unter Berücksichtigung der Gemeindemitgliederentwicklung für mindestens 20 – besser noch 30 – Jahre trägt. Außerdem soll es dem offenen Charakter der Gemeinde als „Kirche in der Mitte des Dorfes“ Rechnung tragen.

Die Planung muss ferner dem Gebäude als Denkmal gerecht werden. Deswegen sei, so Imke Hartmann, größte Rücksicht auf den Bestand genommen worden, um etwa

"Wenn der Pastor ein Konzept vorstellt, ist das ein bisschen so, als würde der Bock zum Gärtner gemacht. Ich bin als Theologe ja eigentlich fachfremd. Pastor Gunnar Bösemann

die Scheune als solche erkennbar zu lassen (durch Erhalt der Diele sowie bestehender historischer Tor- und Fensteröffnungen). Heißt auch: Ein Fenster für den Jugendraum muss zwingend recht klein gehalten werden. Zwar nicht in diesem Punkt, aber durchaus in anderen kann die Planung noch nachjustiert werden, solange der Bauantrag nicht eingereicht ist. Der Info-Abend umriss den aktuellen Sachstand – also letztlich eine Etappe auf dem Weg zum Endergebnis. Das jetzt vorliegende, von Bauausschuss und Vorstand des Kirchenkreises befürwortete Konzept hatte der Kirchenvorstand im Juli beschlossen. 

Anbau zwecks Saalerweiterung

 

„Im Erdgeschoss, wo ,Sitzungssaal’ geschrieben steht, wächst etwas heraus. Das ist ein Anbau auf rund 40 Quadratmetern Fläche – mit einer Dachterrasse. Der soll den Saal in der Gebäudemitte zum Pfarrgarten hin erweitern“, erläuterte Pastor Bösemann anhand der Planzeichnung.

Der Bereich rechts davon ist als Verwaltungstrakt konzipiert – mit Gemeindebüro, Amtszimmern und Archiv. „Das ist noch ein bisschen veränderbar“, sagte Bösemann. Die jetzige Diele, die Scheune im linken Gebäudeteil, werde eingebunden in die Schaffung einer Küche mit Begegnungsfläche und Platz auch für die Jugendarbeit. „Die Jugend braucht einen eigenen Raum. Das haben wir verstanden und gelernt. Ein Raum reicht allerdings nicht immer für die Jugend aus. Das erklärt die Öffnung zur angrenzenden Begegnungsfläche mit Küche“, so Bösemann.

Bei Bedarf zum großen Saal „zuschaltbar“ sein werde ein zusätzlicher Gruppenraum davor. Hier sei eine flexibel handhabbare Raumteilung mit verschiebbaren Trennwänden vorgesehen.

Option: Gottesdienste im Gemeindehaus

„Viele Gemeinden praktizieren schon die sogenannte Winterkirche. Wenn auch wir uns in Zukunft entschieden, den Sonntagsgottesdienst während der kalten Jahreszeit nicht in der Kirche, sondern im Gemeindezentrum zu feiern, wäre das möglich. Sparmaßnahmen sind momentan überall ein großes Thema und spielen in unseren Planungen natürlich auch eine Rolle. In einer Kirche heizt man ja zu einem großen Teil Luft, die weit oben ist. Und ganz viel Luft entweicht nach draußen. Das ist in energetischer Hinsicht sehr ungünstig“, gab Bösemann zu bedenken.

Die Gebäudestrukturierung werde parallele Nutzungen von Räumen möglich machen. „Da kann ein Chor proben, und gleichzeitig findet in einer anderen Ecke ein Gesprächskreis statt“, nannte Bösemann ein Beispiel. Der Sanitärbereich – mit zusätzlichem behindertengerechten WC – rücke an die Vorderseite. Im Flur zwischen Küche/ Gemeinschaftsbereich und großem Saal sieht der Planentwurf eine rollstuhlgerechte Rampe vor. „Damit wird das Gebäude barrierefrei erschlossen. Wir haben viele ältere Gemeindeglieder, die mit einem Rollator unterwegs oder generell nicht so zu gut zu Fuß sind. Vor diesem Hintergrund ist es gut, wenn im Gebäude die Barrierefreiheit gegeben ist“, betonte Pastor Bösemann.

Die Pfarrdienstwohnung im Obergeschoss werde saniert – und zwar so, dass es möglich bleibe, sie gegebenenfalls später einmal in zwei Mietwohnungen umzuwandeln. Bösemann: „Das muss man mitdenken, wenn man das Gebäude anfasst.“ Schon 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen. Die Fertigstellung bis Weihnachten 2024 nannte Susanne Lübker ein „sportliches Ziel“. 


Wo bleiben die kirchlichen Gruppen während der Bauphase? Wo kommen die kirchlichen Gruppen während der Bauarbeiten am Ersten Pfarrhaus unter? Diese Frage brannte einer Zuhörerin während des Info-Abends unter den Nägeln. Pastor Gunnar Bösemann erwiderte, es werde vielleicht Bauabschnitte geben, wodurch ein Teil des Gebäudes nutzbar bliebe. Die Gemeinde könne auf jeden Fall auf die Christuskirche und das Alte Pfarrhaus ausweichen. Für die Verlegung des Kirchenbüros seien verschiedene Optionen durchdacht worden. „Wir denken, dass wir das im Großen und Ganzen mit Bordmitteln lösen können“, so Bösemann. Die Gemeinde hätte die Möglichkeit, „in die Dünsener Zufluchtskirche zu gehen“. Ob die Delmeschule als zusätzliche Ausweichlösung zur Verfügung stünde, wäre noch zu klären. Hinterfragt wurden ebenso Lagermöglichkeiten. Pastor Bösemann schloss das etwaige Erfordernis eines Schuppens für Gerätschaften im Pfarrgarten nicht aus. „Unter Umständen“ wäre auch die zur Pfarrdienstwohnung gehörende Garage nutzbar.

Im Verlauf der von Kirchenvorsteherin Andrea Müller-Wiesner moderierten Veranstaltung entwickelte sich nach verhaltenem Auftakt doch noch eine lebhafte Diskussion mit diversen Fragen und Anregungen. boh

Quelle Kreiszeitung 13.Oktober 2022