Die Tagesförderstätte in Harpstedt musste ihre Eröffnung verschieben. Nun hilft die Kirchengemeinde mit einer Spende vom Adventscafé.
Harpstedt – Die evangelisch-lutherische Kirche in Harpstedt hat der „Tagesförderstätte an der Mühle“ der Diakonie Himmelsthür in Harpstedt am Donnerstag eine Spende in Höhe von 508,34 Euro überreicht. Die Zuwendung wurde auf dem Adventscafé am zweiten Adventswochenende von der Kirchengemeinde eingenommen, berichtete Pastor Gunnar Bösemann. „Aber es wurde nicht nur Geld gespendet“, betonte die Vorsitzende des Kirchenvorstands Andrea Müller-Wiesner. Denn es brauchte viele ehrenamtliche Bäcker, um die Torten, Kuchen und Muffins im Dezember 2025 gegen eine Spende anzubieten.
Passenderweise überreichten Müller-Wiesner und Pastor Sascha Maskow die Spende bei Kaffee und Kuchen in der Tagesförderstätte an die Leiterin Helga Weller. Diese zeigte sich positiv überrascht, denn mit so einer hohen Summe hätte sie nicht gerechnet.
Auf die Himmelsthür als Spendenempfänger sei die Kirchengemeinde gekommen, weil sie von der Neueröffnung der Tagesförderstätte erfahren hätte. „Außerdem haben wir den Chor ,Töne So anders‘ bei uns in der Kirche“, erzählte Müller-Wiesner. Durch die inklusive Gruppe sei man an der Förderung von Menschen mit Behinderung näher dran.
Der Schock war groß
Die Eröffnung der Einrichtung im vergangenen Jahr musste wegen eines Wasserschadens kurzfristig verschoben werden. „Wir wollten eigentlich zum 1. September einziehen. Ende August haben wir unsere Einweihung gefeiert. Dann kam der Anruf der Firma, und der Schock war groß“, erzählte Weller.
Trockner wurden aufgestellt, und es standen weitere Arbeiten an. Die meisten Beschäftigten konnten in anderen Tagesförderungen länger betreut werden. Doch einige mussten auch in anderen Einrichtungen untergebracht werden. Nachdem wieder alles trocken war, konnte die Tagesförderstätte, die Menschen im erwerbsfähigen Alter von Montag bis Freitag betreut, im Dezember einziehen.
Die Förderstätte kann weitere Menschen aufnehmen
Aktuell kommen 29 Menschen in der Förderstätte. „Wir haben Platz für 36 Beschäftigte und könnten noch aufnehmen“, so Weller. Besonders gerne würde sie Menschen mit Behinderung vor Ort einen Platz geben, damit diese einen kurzen Weg haben. „Und es gibt einem das Gefühl, zu einem Ort zu gehören“, fügte Müller-Wiesner vom Kirchenvorstand hinzu.
Generell machten die Betreuer auf ihren Spaziergängen und Einkaufstouren gute Erfahrungen mit den Harpstedtern, die sie grüßten und ihnen Platz machten. „Wenn die Gehwege zu schmal sind und wir deshalb auf die Straße ausweichen müssen, halten einige sogar an“, berichtete Betreuerin Stefanie Tegel. Neben der täglichen Bewegung sei auch die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung auf den Straßen und beim Einkaufen wichtig.
Ehrenamtliche werden immer gesucht
Mit dem Einzug in das renovierte Gebäude ist auch das Betreuerteam neu zusammengesetzt worden. „Wir sind meist eine Fachkraft und eine Hilfskraft, die sechs Beschäftigte betreuen“, erklärte Tegel die Zusammensetzung. Interessierte könnten sich gerne als Hilfskraft bei der Stätte melden, die würden nämlich dringend gebraucht. „Wer Zeit spenden mag, ist herzlich willkommen“, so Weller.
Das Ziel sei es, die Menschen auf die Arbeit in Werkstätten vorzubereiten, was aber nur für einen geringen Teil klappe. Aber darum gehe es bei ihnen auch nicht, denn „wir haben hier keinen Leistungsdruck“, so Tegel. „Auch Menschen mit einem hohen Assistenzbedarf sind in der Lage, zu arbeiten“, sagte Weller.
Die Beschäftigten arbeiten zurzeit an Kaminanzündern
Zurzeit produzieren die Beschäftigten Kaminanzünder aus Recyclingmaterialien, die unter anderem in der Tagesförderstätte gekauft werden können. Dafür wird Palettenholz aufbereitet, gesägt, gespalten und in Wachs getränkt. Für dieses Jahr könnte sich Weller unter anderem einen Erdbeer-Pflück-Tag vorstellen – natürlich auch hier ohne Druck. „Wenn eine Erdbeere gepflückt wurde und die dann im Mund verschwindet, ist das eine Leistung“, erklärte Tegel.
Quelle: Kreiszeitung Online 30.01.2026