Das Musikkorps Wittekind spielte in der ausverkauften Christuskirche Harpstedt. Doch der Altarraum war für 66 Musiker viel zu klein.
Harpstedt/Wildeshausen – Das Musikkorps Wittekind hat das Publikum am Samstagabend in der ausverkauften Harpstedter Christuskirche mit einem außergewöhnlichen Programm begeistert. Bereits der Auftakttitel „Robbie Williams: Swing When You’re Winning“ zeigte, wohin die Reise an diesem Abend gehen würde.
Doch bevor Dirigent Holger Becker das Publikum mit seinen 66 Musikern in die Ära der legendären Big Bands entführen konnte, ergriff Uwe Leinemann das Wort. Zum letzten Mal bei einem Eröffnungskonzert, wie der langjährige Vorsitzende berichtete. Er wird seinen Posten aus Altersgründen abgeben. Einen Seitenhieb konnte sich das scheidende Vorstandsmitglied zum Abschied nicht verkneifen. „Wir sind wieder einmal in Harpstedt. Die Wildeshauser Widukindhalle ist nur noch ein bisschen Mehrzweckhalle. Die Technik für ein Konzert wie dieses fehlt komplett, und für solch eine Veranstaltung müsste ein zusätzlicher Boden verlegt werden. Hier passt hingegen alles“, meinte Leinemann und bedankte sich bei der Harpstedter Konzerte-Arbeitsgemeinschaft.
Und dennoch wurde ein Dilemma offenbar. Das Gotteshaus im Flecken platzte aus allen Nähten. Der Altarraum ist für ein Orchester dieser Größe zu klein, und die Besucherresonanz war derart groß, dass Musiker und Besucher fast aufeinander hockten.
Der musikalischen Qualität tat die Enge hingegen keinen Abbruch. Für das zweite Konzertstück hatte der große US-amerikanische Arrangeur und Komponist Sammy Nestico ein Werk von Edvard Grieg für Big Bands „verswingt“. Was die Amateurmusiker indes mit diesem Arrangement boten, reichte ohne Übertreibung an Profiqualität heran. Insbesondere der Saxofonsatz erinnerte an legendäre Big Bands der 1940er- und 50er-Jahre. Von Jahr zu Jahr schafft es Holger Becker als Orchesterleiter, dem Klangkörper mehr Substanz und Qualität zu verleihen.
Grundlage dafür ist eine solide Jugendarbeit. Seit Jahren arbeitet das Musikkorps mit der Musikschule des Landkreises Oldenburg zusammen, die über ein eigenes Jugendorchester den Nachwuchs für verschiedene Ensembles im Landkreis sicherstellt. Eine Probe ihres Könnens zeigte die Gruppe unter Leitung von Ingo Poth beim Eröffnungskonzert des Musikkorps. Die Instrumentalisten wurden dabei von erfahrenen Musikern aus dem Orchester unterstützt.
Der Begriff Big Band steht indes nicht nur für Swing-Musik. Mit dem Titel „Salute to American Jazz“ von Sammy Nestico bewies das Musikkorps, dass es sich auch im modernen progressiven Big-Band-Sound wohlfühlt.
Die zweite Hälfte begann mit einem Klassiker von William Christopher Hardy, dem „St. Louis Blues March“. Bekannt geworden ist der Blues-Song vorwiegend durch Louis Armstrong und Glenn Miller. Eine technische Herausforderung stellte für die Instrumentalisten die Musik zum Pixar-Film „The Incredibles“ dar, wie Dorothee Ellerhorst vom Musikkorps verriet. „Das Stück hat derart viele schlimme Tonarten- und Taktart-Wechsel, große Höhen, schnelle Passagen und alles, was einen Laien besonders fordert. Sogar für unseren Dirigenten Holger Becker war es eine Herausforderung. Gleichzeitig ist das Stück für viele das Liebste im Programm geworden, weil es eben auch besonders viel Spaß macht“, informierte die Pressesprecherin.
Den Herausforderungen zum Trotz umschiffte das Orchester die musikalischen Klippen sicher. Der Konzertabschluss war gleichzeitig der absolute Höhepunkt des Abends. Unter der Überschrift „Frank Sinatra in Concert – The Voice for Band“ ertönten die bekanntesten Songs des legendären Sängers, der zu seiner Zeit „The Voice“ (die Stimme) genannt wurde. Besonders gut kam beim Publikum auch die lockere, kreative Art des Moderatorenteams an.
Quelle: Kreiszeitung Online 08.03.2026