Sport und Kirche stehen für Gemeinschaft

30. April 2026

Der Profisport bringt viele Vorbilder hervor - und hat auch dunkle Seiten. Wie Sport und Glaube bei Fußball-WM und den Finals in Hannover zusammenpassen und warum Kirchen von Sportvereinen lernen können, erklärt der Theologe Mirko Peisert.

 

Herr Peisert - was genau macht ein Beauftragter für Kirche und Sport?

  • In der Evangelischen Agentur haben wir den Auftrag, kirchliche Positionen in aktuelle gesellschaftliche Debatten zu tragen und entsprechende Kontakte zu pflegen. Bei uns geht es zum Beispiel um Themen wie Arbeit und Wirtschaft oder Generationen und Geschlechter. Für das Thema Kirche und Sport bin ich als Direktor zuständig. Ich versuche Kontakte zu Sportverbänden aufzubauen und uns mit Akteuren des Sports zu vernetzen, andersherum geht es darum, Themen des Sports in unsere kirchlichen Kontexte einzutragen.

 

Zuerst die Olympischen Winterspiele, im Sommer dann die Fußball-WM: 2026 ist ein extremes Sportjahr. Was können Glaubende und Kirche vom Profisport lernen?

  • Im Sommer wird es die Finals in Hannover geben, das größte Sportereignis in diesem Jahr in Deutschland! Wir werden dazu einen Gottesdienst für Sportler und Sportlerinnen anbieten und auch mit einem Stand auf der Finals-Meile präsent sein. Viele Profisportler und -sportlerinnen sind wichtige Vorbilder für junge Menschen, sie vermitteln wichtige Werte wie Fairness oder Respekt. Da ergeben sich sofort sehr spannende Gesprächsthemen zwischen Sport und Kirche. Ich finde aber sehr wichtig für uns als Kirche, nicht nur auf den Profisport zu schauen, sondern auch gute Kontakte zum Breitensport mit seinen vielen Vereinen und Initiativen zu pflegen.

 

Und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten sehen Sie bei Kirche und Vereinssport?

  • Bei der Mitgliederentwicklung erleben Sportvereine und Kirche eine total entgegengesetzte Entwicklung. Noch nie waren so viele Menschen Mitglied in einem Sportverein wie heute. Ich glaube, wir sollten als Kirche hier einmal etwas genauer hinschauen. Was machen Sportvereine anders und besser als wir? Auch interessant ist das Thema Ehrenamt und Engagement, das verbindet Kirche und Sport, auch da können wir viel voneinander lernen. Manche Landeskirchen arbeiten mit Sportverbänden auch schon beim Thema Prävention zusammen, das könnte ich mir auch gut vorstellen. Von den Erfahrungen aus dem Sport könnten wir sehr profitieren. Auf jeden Fall erlebe ich die Akteure des Sports als sehr offen gegenüber Kirche und interessiert. Wir beide können und müssen bei der Stärkung unserer Demokratie, bei Inklusion und beim Eintreten gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit zusammen arbeiten. Uns verbinden gleiche Werte und Ideale.

 

Was gibt Sport gerade auch jungen Menschen?

  • Anfang Februar hatten wir den KonfiCup in Hannover mit fast 30 Konfi-Mannschaften aus allen Kirchen der Konföderation Niedersächsischer Kirchen. Es war eine super Stimmung und wir hatten wirklich viel Spaß. Für mich stehen sowohl der Sport als auch die Kirche für Gemeinschaft. Beim KonfiCup ist beides zusammengekommen und das war stark.

 

Die Sportwelt ist korrupt und Doping ein Dauerproblem, die Fußball-WM ein immer hemmungsloserer Tanz ums Goldene Kalb. Warum ist ein Boykott dieser Großevents dennoch der falsche Weg?

  • Die extreme Kommerzialisierung des Profisports wird ja von vielen Sportverbänden selbst kritisiert. Wenn bei Olympia die Ränge leer bleiben, weil die Tickets zu teuer sind, schadet sich der Sport am Ende nur selbst. Die großen Ereignisse wie Olympia oder die Fußball-WM haben immer auch eine politische Seite. Wer das leugnet, macht es sich zu einfach.

 

Und wo und wie kann Sport umgekehrt vom Glauben etwas abgucken?

  • Ich finde es total spannend, dass viele Sportlerinnen und Sportler sehr gläubig sind. Gerade im Profifußball zeigen viele Spielerinnen und Spieler sichtbar ihren christlichen Glauben. Dass der ein wichtiger Halt und eine Orientierung sein kann, gerade in schwierigen Zeiten, bei Niederlagen oder Verlusten, ist eine wichtige Botschaft, die wir haben. Für mich als Christ hängt mein Wert eben nicht an meiner Leistung oder meinem Erfolg. Ich bin von Gott geliebt und anerkannt ohne Bedingungen.

 

An sich glauben – das lernen Sportlerinnen und Sportler idealerweise früh. Wie wichtig kann das für Menschen sein?

  • Sport kann das Selbstbewusstsein fördern. Mit regelmäßigem Training kann ich Erfolge erzielen und Fortschritte erleben. Egal, ob es um Muskelaufbau geht oder um die Steigerung meiner Pace beim Laufen. Das fühlt sich gut an und stärkt mich. Ich denke, das kennt jeder der Sport macht. Wichtig ist es, sich wiederum nicht abhängig davon zu machen. Ich laufe regelmäßig und das Laufen hilft mir mein inneres Gleichgewicht zu finden. Für andere ist es Yoga oder Klettern. Sport und Bewegung haben da eine ganz wichtige stabilisierende Funktion.

 

Allein der Glaube genügt – das ist ein wesentlicher Kern der evangelischen Theologie. Dennoch ist auch Training zentral für den Erfolg. Wenn Gemeinden zum Frühstück einladen oder zur Chorprobe – ist das dann so eine Art Trainingslager?

  • Das Thema Training finde ich ein interessantes Thema für die Kirche. Das ist nicht ganz so einfach für uns Protestanten. Ich bin aber gleichwohl davon überzeugt, dass es im Glauben auch eine Übung braucht. Wenn ich regelmäßig bete, dann finde ich auch Gebetsworte in schwierigen Situation. Ich glaube, das wird schwieriger, wenn ich „ungeübt“ bin.

 

Der Theologe Mirko Peisert ist Direktor der Evangelischen Agentur und in der Landeskirche Hannovers Beauftragter für Kirche und Sport.

IMPULS:

„Mein Wert hängt nicht an Leistung oder Erfolg“


Sport und Glaube haben manches gemeinsam, findet der Theologe Mirko Peisert - und freut sich auf die Fußball-WM und weitere sportliche Großereignisse 

 

„Ich laufe regelmäßig und das Laufen hilft mir mein inneres Gleichgewicht zu finden. Für andere ist es Yoga oder Klettern. Sport und Bewegung haben eine ganz wichtige stabilisierende Funktion.

Sport kann das Selbstbewusstsein fördern. Mit regelmäßigem Training kann ich Erfolge erzielen und Fortschritte erleben. Egal, ob es um Muskelaufbau geht oder um die Steigerung meiner Pace beim Laufen: Das fühlt sich gut an und stärkt mich. Ich denke, das kennt jeder, der Sport macht. Wichtig ist es, sich wiederum nicht abhängig davon zu machen.

Das Thema Training ist nicht ganz so einfach für uns Protestanten. Ich bin aber gleichwohl davon überzeugt, dass es im Glauben auch eine Übung braucht. Wenn ich regelmäßig bete, dann finde ich auch Gebetsworte in schwierigen Situation. Ich glaube, das wird schwieriger, wenn ich „ungeübt“ bin.

Für mich als Christ hängt mein Wert nicht an meiner Leistung oder meinem Erfolg. Ich bin von Gott geliebt und anerkannt ohne Bedingungen.

Ich finde es total spannend, dass viele Sportlerinnen und Sportler sehr gläubig sind. Gerade im Profifußball zeigen viele Spielerinnen und Spieler sichtbar ihren christlichen Glauben. Dass der ein wichtiger Halt und eine Orientierung sein kann, gerade in schwierigen Zeiten, bei Niederlagen oder Verlusten, ist eine wichtige Botschaft, die wir haben.“