Harry-Potter-Gottesdienst: Pastor verwandelt Kirche in Hogwarts-Nebenstelle

19. Oktober 2026

Pastor Sascha Maskow schlüpfte in Harpstedt in die Rolle von Professor Lupin und hielt einen Gottesdienst zum Patronuszauber. Dabei distanzierte er sich öffentlich von Aussagen der Potter-Autorin J. K. Rowling über Transmenschen.

Harpstedt – (Kreiszeitung Online 19.10.2026 - Holger Rinne)  Harry Potter trifft auf christlichen Glauben: Ein außergewöhnlicher Gottesdienst hat am Sonntagabend zahlreiche Familien in die voll besetzte Harpstedter Christuskirche gelockt. Pastor Sascha Maskow schlüpfte in die Rolle eines Zauberlehrers.

Wer das Gebäude betrat, konnte sich beinahe wie auf dem Weg nach Hogwarts fühlen, am Eingang wartete eine Überraschung: Eine nachgebildete Ziegelmauer zeigte den Zugang zum Gleis 9¾. Im Inneren sorgten schwebende Kerzen, geheimnisvolle Lichtstimmungen und eine ungewöhnliche Dekoration für magische Atmosphäre. Auch die Süßigkeiten passten zum Thema: In kleinen Schalen standen Harry-Potter-Jelly-Beans bereit, bei denen man nie so genau weiß, ob sie nach etwas Ungewöhnlichem schmecken.

Viele Kinder waren mit ihren Eltern oder Großeltern gekommen. Manche trugen passende Umhänge oder hatten einen Zauberstab dabei. Die Vorfreude war bereits vor dem Gottesdienst spürbar. Extra aus Ganderkesee angereist waren die Schwestern Svea (10) und Linnea (12) mit ihrer Mutter. Während Svea ein begeisterter Harry-Potter-Fan ist, kann ihre ältere Schwester mit dem berühmten Zauberschüler weniger anfangen. Gespannt waren trotzdem beide. Gottesdienste besuchen sie auch sonst, doch ein Abend wie dieser versprach etwas Besonderes.

 

Ungewöhnliche Begegnung zwischen der Fantasiewelt von Harry Potter und dem christlichen Glauben

Unter dem Motto „Expecto Patronum – Die Magie der Hoffnung“ hatte die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde zu einer ungewöhnlichen Begegnung zwischen der Fantasiewelt von Harry Potter und dem christlichen Glauben eingeladen. Pastor Maskow nahm dafür die Rolle von Professor Remus Lupin ein, dem Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Die Christuskirche erklärte er kurzerhand zur Nebenstelle von Hogwarts. Die Konfirmanden verkörperten verschiedene Rollen aus der Romanwelt und stellten seine Schüler dar.

Maskow zeigte sich zunächst skeptisch über seinen ungewöhnlichen Unterrichtsort. Doch die Kirche überzeugte ihn: Die Decke sei hoch genug für fliegende Wesen, die Akustik hervorragend für Zaubersprüche geeignet. „Und bisher hat sich auch noch keine der Treppen bewegt“, stellte er zufrieden fest. Mit viel Humor führten Pastor und Konfirmanden so durch eine Unterrichtsstunde über den Patronuszauber. Dabei durfte auch Ron Weasleys Vorliebe für gutes Essen nicht fehlen. Als der Professor nach dem Unterrichtsthema fragte, lautete dessen Antwort kurzerhand: „Kartoffelmus?“

Doch hinter den Scherzen steckte eine ernste Botschaft. In der Harry-Potter-Welt rauben Dementoren den Menschen Freude, schöne Erinnerungen und Hoffnung. Dagegen hilft der Patronus, eine leuchtende Schutzgestalt, die durch eine besonders glückliche Erinnerung heraufbeschworen wird.

Pastor schlägt Brücke zum Alltag

Maskow schlug die Brücke zum Alltag: Auch ohne Dementoren kenne jeder Momente der Angst, der Sorgen und der Hoffnungslosigkeit. Was gebe Menschen dann Kraft? Freundschaft, Gemeinschaft und schöne Erinnerungen könnten helfen, wieder Licht zu sehen. Die biblische Antwort lieferte Psalm 27 mit den Worten: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil.“

Dabei machte Maskow deutlich, dass Harry Potter nicht mit der Bibel gleichzusetzen sei. Geschichten könnten aber helfen, den eigenen Glauben aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Ausdrücklich distanzierte er sich zudem von abwertenden Äußerungen der Autorin J. K. Rowling über Transmenschen. Die Kirche solle ein Ort sein, an dem alle willkommen seien. Dafür spendete die Gemeinde dem Pfarrer spontan Applaus.


Quelle: Kreiszeitung Online 19.10.2026
 


 

VORBERICHT KREISZEITUNG  Stand:05.10.2026  Von: Maren Hustedt


Harry-Potter-Gottesdienst in Harpstedt: Pastor schlüpft in Harpstedt in die Rolle des Zauberers

In der Christuskirche Harpstedt verwandelt sich am 18. Oktober ab 18 Uhr das Kirchenschiff in die Zauberschule Hogwarts. Zauberstab und Umhang sind ausdrücklich willkommen – auch Muggels dürfen kommen.

Harpstedt – Wenn aus den Pfeifen der Orgel epische Filmmusik strömt, große und kleine Menschen in schwarze Umhänge gehüllt im Kirchenschiff Platz nehmen und der Pastor selbst in die Rolle eines Zauberers schlüpft, dann ist „Harry-Potter-Gottesdienst“. Am Sonntag, 18. Oktober, ab 18 Uhr verwandelt sich die Christuskirche Harpstedt ein kleines bisschen in die Zauberschule Hogwarts aus den weltbekannten Fantasy-Romanen, kündigt Pastor Sascha Maskow an.

Es werde ein besonderer Gottesdienst für alle großen und kleinen „Potterheads“, für Hexen und Zauberer – kurzum: einfach für alle, die entdecken wollen, warum Licht am Ende stärker ist als Dunkelheit, so der Geistliche. „Zauberstab und Umhang dürfen gerne mitgebracht werden. Muggels sind selbstverständlich auch willkommen.“ Man werde sie nicht an Albus Dumbledore, den Schulleiter von Hogwarts, verraten, verspricht Maskow hinter vorgehaltener Hand mit leiser Stimme.

Magie und Glaube in der evangelischen Kirche? Passt das denn zusammen? Hexerei und Zauberei gelten im Christentum dogmatisch als Sünde. Das Alte Testament verbietet Zauberei und Wahrsagerei sogar (fünftes Buch Moses, 18,10-12). Tatsächlich sei die Auswahl des Themas bereits mit seiner ersten Ankündigung auf Kritik gestoßen, berichtet der Harpstedter Pastor, der in der Beschäftigung mit dem weltberühmten Fantasie-Epos in der Kirche allerdings keinen Widerspruch sieht.

„Ich weiß, was in der Bibel steht. Und doch bietet die Geschichte von Harry Potter zahlreiche Möglichkeiten, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen“, argumentiert Maskow. Die Autorin J. K. Rowling knüpfe an vielerlei Stellen an die christliche Symbolik an und habe sich nach eigenen Angaben religiös inspirieren lassen. „Harry Potter wurde getauft. Den Grabstein seiner Eltern ziert ein Bibelspruch“, so der 34-Jährige, der, wie er selbst sagt, „mit Harry Potter lesen gelernt hat“.

„Ich bin mit diesen Geschichten vom Kampf Gut gegen Böse groß geworden, und sie faszinieren mich bis heute“, erzählt der Theologe, der mit seiner Begeisterung Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansteckt. Und so wirken in dem geplanten Gottesdienst auch einige Konfirmanden mit. Die Kirche soll passend geschmückt werden. Moderne Lichttechnik soll die Stimmung unterstreichen. Das Ankündigungsplakat zum Gottesdienst wirbt außerdem für „Butterbier“, dessen malziger Karamellgeschmack seit Harry Potter legendär sein dürfte.

Berührungsängste hat Maskow nicht. „Wir als Kirche müssen uns fragen: Wo sind wir in der Lebenswirklichkeit der Menschen? Ich möchte sie erreichen, mit ihnen ins Gespräch kommen. Und mit diesem Gottesdienst schaffe ich das definitiv“, beschreibt er. Und noch etwas anderes möchte der Pastor mit diesem Gottesdienst schaffen: Er möchte Mut machen.

Und so heißt es in der Ankündigung zum 18. Oktober: „Es gibt eine Dunkelheit, gegen die keine Taschenlampe hilft. In der Welt von Harry Potter sind es die Dementoren, die Licht, Freude und Hoffnung rauben. Und dann braucht es einen ganz besonderen Zauber: Expecto Patronum.“ Lateinisch für „Ich erwarte meinen Schutzherrn“. Die Hexen oder Zauberer in dem Buch über Harry Potter klammern sich an eine sehr glückliche, starke Erinnerung, um eine Art Schutzschild zu erzeugen, der sie vor dunklen Kreaturen wie besagten bösen Dementoren (die sich von der Lebensfreude ihrer Opfer ernähren und Hoffnungslosigkeit verbreiten) oder den Wächtern des Zauberergefängnisses Askaban, schützt. „Doch was vertreibt eigentlich unsere Dunkelheit?“, fragt Maskow. „Was gibt uns Mut, wenn die Angst groß wird? Und kann Hoffnung vielleicht tatsächlich etwas Magisches haben?“