VORBERICHT KREISZEITUNG Stand:05.10.2026 Von: Maren Hustedt
Harry-Potter-Gottesdienst in Harpstedt: Pastor schlüpft in Harpstedt in die Rolle des Zauberers
In der Christuskirche Harpstedt verwandelt sich am 18. Oktober ab 18 Uhr das Kirchenschiff in die Zauberschule Hogwarts. Zauberstab und Umhang sind ausdrücklich willkommen – auch Muggels dürfen kommen.
Harpstedt – Wenn aus den Pfeifen der Orgel epische Filmmusik strömt, große und kleine Menschen in schwarze Umhänge gehüllt im Kirchenschiff Platz nehmen und der Pastor selbst in die Rolle eines Zauberers schlüpft, dann ist „Harry-Potter-Gottesdienst“. Am Sonntag, 18. Oktober, ab 18 Uhr verwandelt sich die Christuskirche Harpstedt ein kleines bisschen in die Zauberschule Hogwarts aus den weltbekannten Fantasy-Romanen, kündigt Pastor Sascha Maskow an.
Es werde ein besonderer Gottesdienst für alle großen und kleinen „Potterheads“, für Hexen und Zauberer – kurzum: einfach für alle, die entdecken wollen, warum Licht am Ende stärker ist als Dunkelheit, so der Geistliche. „Zauberstab und Umhang dürfen gerne mitgebracht werden. Muggels sind selbstverständlich auch willkommen.“ Man werde sie nicht an Albus Dumbledore, den Schulleiter von Hogwarts, verraten, verspricht Maskow hinter vorgehaltener Hand mit leiser Stimme.
Magie und Glaube in der evangelischen Kirche? Passt das denn zusammen? Hexerei und Zauberei gelten im Christentum dogmatisch als Sünde. Das Alte Testament verbietet Zauberei und Wahrsagerei sogar (fünftes Buch Moses, 18,10-12). Tatsächlich sei die Auswahl des Themas bereits mit seiner ersten Ankündigung auf Kritik gestoßen, berichtet der Harpstedter Pastor, der in der Beschäftigung mit dem weltberühmten Fantasie-Epos in der Kirche allerdings keinen Widerspruch sieht.
„Ich weiß, was in der Bibel steht. Und doch bietet die Geschichte von Harry Potter zahlreiche Möglichkeiten, sich mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen“, argumentiert Maskow. Die Autorin J. K. Rowling knüpfe an vielerlei Stellen an die christliche Symbolik an und habe sich nach eigenen Angaben religiös inspirieren lassen. „Harry Potter wurde getauft. Den Grabstein seiner Eltern ziert ein Bibelspruch“, so der 34-Jährige, der, wie er selbst sagt, „mit Harry Potter lesen gelernt hat“.
„Ich bin mit diesen Geschichten vom Kampf Gut gegen Böse groß geworden, und sie faszinieren mich bis heute“, erzählt der Theologe, der mit seiner Begeisterung Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ansteckt. Und so wirken in dem geplanten Gottesdienst auch einige Konfirmanden mit. Die Kirche soll passend geschmückt werden. Moderne Lichttechnik soll die Stimmung unterstreichen. Das Ankündigungsplakat zum Gottesdienst wirbt außerdem für „Butterbier“, dessen malziger Karamellgeschmack seit Harry Potter legendär sein dürfte.
Berührungsängste hat Maskow nicht. „Wir als Kirche müssen uns fragen: Wo sind wir in der Lebenswirklichkeit der Menschen? Ich möchte sie erreichen, mit ihnen ins Gespräch kommen. Und mit diesem Gottesdienst schaffe ich das definitiv“, beschreibt er. Und noch etwas anderes möchte der Pastor mit diesem Gottesdienst schaffen: Er möchte Mut machen.
Und so heißt es in der Ankündigung zum 18. Oktober: „Es gibt eine Dunkelheit, gegen die keine Taschenlampe hilft. In der Welt von Harry Potter sind es die Dementoren, die Licht, Freude und Hoffnung rauben. Und dann braucht es einen ganz besonderen Zauber: Expecto Patronum.“ Lateinisch für „Ich erwarte meinen Schutzherrn“. Die Hexen oder Zauberer in dem Buch über Harry Potter klammern sich an eine sehr glückliche, starke Erinnerung, um eine Art Schutzschild zu erzeugen, der sie vor dunklen Kreaturen wie besagten bösen Dementoren (die sich von der Lebensfreude ihrer Opfer ernähren und Hoffnungslosigkeit verbreiten) oder den Wächtern des Zauberergefängnisses Askaban, schützt. „Doch was vertreibt eigentlich unsere Dunkelheit?“, fragt Maskow. „Was gibt uns Mut, wenn die Angst groß wird? Und kann Hoffnung vielleicht tatsächlich etwas Magisches haben?“