Flüchtlinge

Flüchtlinge Harpstedt Foto: G. Bösemann

Flüchtlingsinitiative Harpstedt

Die Flüchtlingsinitiative Harpstedt ist ein ständig wachsender Kreis von ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen, die in unterschiedlichster Weise Hilfestellung für die in der Samtgemeinde angekommenen Flüchtlinge leisten.
 

Es leben mittlerweile etwa 60 Flüchtlinge (zum Zeitpunkt der Drucklegung) unter uns, die an verschiedenen Standorten untergebracht sind. Diese Zahl wird sich angesichts des dramatischen Zuwachses an Zuwanderung bis zum Jahresende wahrscheinlich beträchtlich erhöhen. Dies stellt die Kommune und die Bevölkerung vor Herausforderungen, die wir proaktiv aufgreifen möchten. Uns als Kirchengemeinde Harpstedt ist es wichtig, einen spürbaren Beitrag für die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in unserer Mitte zu leisten. Samtgemeindebürgermeister Wöbse hat am 28. September 2015 im Amtshof wieder den „Runden Tisch Asyl“ einberufen, in dem vor allem die Koordination und Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure besprochen wurde. Flüchtlingshelfer, Gemeindeverwaltung, Flüchtlingssozialarbeiter, Landkreis, Kirche und Diakonie müssen Hand in Hand arbeiten, um eff ektiv die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen in das kommunale
Leben zu ermöglichen.

Im Moment bitten wir Sie konkret in drei Bereichen um Unterstützung (Stand Oktober 2015):

1. Wir freuen uns uns über weitere ehrenamtliche Helfer, die bei der Flüchtlingsinitiative Harpstedt mitwirken möchten.

2. Um für möglichst viele Flüchtlingen eine dezentrale Unterbringung zu ermöglichen, sucht die Samtgemeinde Harpstedt dringend weiteren Wohnraum zur Anmietung. Wenn Sie Wohnraum anbieten können, vermitteln wir gerne den Kontakt zur Samtgemeinde.

3. Wir freuen uns über Geldspenden an die Flüchtlingsintiative Harpstedt, für die wir ein Spendenkonto eingerichtet haben:
Volksbank Syke, IBAN: DE59 2916 7624 8100 9070 00
Verwendungszweck, Flüchtlingshilfe Harpstedt 2819-32600

In der Kirchengemeinde ist Pastor Bösemann Ansprechpartner für Flüchtlingsfragen (Tel. 04244/9687098).

Gunnar Bösemann (Gemeindebrief Oktober 2015)

 

Weitere Info´s Online: Freiwilligen Server  (im Aufbau)

Alphabetisierung und Deutschunterricht – auch das leisten ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. In der Harpstedter Begegnungsstätte leiten und begleiten Horst Pettau, Elke Schäfer, Angelika und Artur Ottawa, Amelie Hoffmann, Thea Möring und Egbert Früchte (nicht alle im Bild) solche Kurse. Sabrina Lux und Marie Zegula übernehmen kursbegleitend die Kinderbetreuung. Foto: Kreiszeitung - Bohlken

„Hilfe zur Selbsthilfe ist unser Oberthema“ (Kreiszeitung v. 10.12.2015)

Flüchtlingsinitiative hat inzwischen 55 ehrenamtliche Mitstreiter in ihren Reihen

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Bei uns gibt‘s doch auch Flüchtlinge. Lasst uns Kontakt mit der Gemeinde aufnehmen, ob wir etwas für sie tun können!“ Diese Anregung sei nach dem Gemeindepartnerschaftsjubiläum in Loué während der Rückreise nach Harpstedt im November 2014 gekommen, erinnert sich Winfried Schreppel. Und Udo Maier entsinnt sich an ein Treffen der „kritischen Christen“. „Wir hatten das Thema Flüchtlinge auf die Tagesordnung gesetzt.“ Bei dieser Gelegenheit sei die Initiative eigentlich aus der Taufe gehoben worden.

Hilfe zur Selbsthilfe wollen die Ehrenamtlichen leisten. „Das ist unser Oberthema“, unterstreicht Schreppel. Welches Ausmaß an Aufgaben aber damit verbunden ist, hätten sich die Helfer anfangs nicht träumen lassen. Auf 55 Freiwillige ist der organisatorisch unter dem Dach der evangelischen Kirche angesiedelte, aber gleichwohl überkonfessionell und völlig unabhängig arbeitende Kreis inzwischen angewachsen. „Es ist gut, so viele Leute zu haben“, findet Schreppel, zumal ja auch die Zahl der Flüchtlinge weiter wachse.

Bislang wirkte die Initiative eher im Stillen. Nun aber sei es einfach mal nötig, an die Öffentlichkeit zu treten, bekundet Pastor Gunnar Bösemann im Beisein der Mitstreiter Winfried Schreppel, Udo Maier und Steffen Akkermann. Viele Mitbürger hätten zwar von der Flüchtlingsinitiative gehört, wüssten aber nicht, wer dahinter stecke. „Wir möchten die Kanäle aufmachen, über die sich die Öffentlichkeit an uns wenden kann“, sagt Bösemann.

Als „Kontaktbörse“ bietet sich das Flüchtlingscafé an, das im 14-tägigen (ab 2016 sogar wöchentlichen) Turnus Flüchtlinge, Helfer und andere Interessierte montags in der Begegnungsstätte zusammenführt. Am 14. Dezember, 15 Uhr, hat es sogar einen adventlichen Anstrich: Dann kommt der Weihnachtsmann, und Elke Schäfer (Querflöte), Irmtraud Keppler (Harfe) sowie Steffen Akkermann (Akkorden) musizieren. Das „Café“ soll als „Ort der Begegnung“ den Flüchtlingen die Möglichkeit bieten, einander und die Ehrenamtlichen besser kennenzulernen. Dabei kommen gelegentlich Patenschaften zustande.

Bislang sind die Flüchtlinge, bei denen es sich anfangs durchweg um junge Männer aus dem Sudan handelte, in Wohnungen dezentral untergebracht worden. Das hat sich mit der Einrichtung der Delmeschulturnhalle als erste Sammelunterkunft geändert. Seit wenigen Tagen werden dort Menschen aus Syrien versorgt und betreut. Vermehrt kommen inzwischen Familien und Frauen mit Kindern in die Samtgemeinde. „Für die dezentralen Unterkünfte haben wir zuständige Helfer, die man Paten nennen könnte, und zudem Sprecher, die sich regelmäßig treffen. Im Laufe der Zeit sind wir aber auch mit bestimmten Themengebieten immer wieder konfrontiert worden. Dazu zählen Gesundheit und medizinische Versorgung, Deutschunterricht, der Bedarf an Mobiliar und Transportmitteln, vor allem an Fahrrädern, oder etwa Praktikums- und Jobvermittlung. Für all diese Bereiche gibt es nun in unseren Reihen bestimmte Personen oder Gruppen als zuständige Ansprechpartner“, erläutert Bösemann.

Flexibilität ist eine Grundvoraussetzung

Es sei schon vorgekommen, dass Ehrenamtliche „an ihre Grenzen stießen“ – sei es, weil das Telefon bei ihnen heiß lief oder Situationen „sie emotional überforderten“. Auch vor diesem Hintergrund seien erfolgte strukturelle Veränderungen in der Flüchtlingshilfe zu sehen.

„In jüngster Zeit treten häufiger Bürger an uns heran, die sich um Flüchtlingsfamilien kümmern und Paten-Aufgaben übernehmen möchten. Bei solchen und anderen Anfragen stellen wir jeweils den Kontakt zu den passenden Ansprechpartnern her“, erläutert Bösemann. Die Initiative stehe aktuell in einem guten Kontakt mit der Samtgemeindeverwaltung. „Am Anfang war es noch nicht selbstverständlich, dass wir uns gegenseitig in die Hände arbeiten. Das ist mit der Zeit gewachsen“, sagt der Pastor. Die Behörden hätten erheblich dazugelernt, pflichtet Winfried Schreppel bei.

Wer ehrenamtlich Flüchtlingshilfe leisten will, muss vor allem Flexibilität als Voraussetzung mitbringen. Das Unerwartete ist Alltag. Schreppel schildert exemplarisch, wie er kurzfristig einen Fahrdienst für eine Familie mit einem Säugling zur Klinik nach Delmenhorst organisiert hat. Bei Pastor Bösemann stand am Mittwoch um 20.30 Uhr ein aus Braunschweig zugewiesener Flüchtling vor der Tür, der untergebracht werden musste. Was tun? Bösemann setzte sich ans Telefon. Schließlich habe sich, so erzählt er, Sozialamtsleiterin Edda Masemann noch am Abend auf den Weg gemacht, um den Betreffenden in die Ippener Flüchtlingsunterkunft zu bringen.

Gut gebrauchen könnte der Helferkreis jemanden, der sich mit der Koordinierung von Patenschaften auskennt. Auch Menschen, die Asylbewerber gern in Freizeitaktivitäten einbinden würden, dürfen sich gern melden. Udo Maier erwähnt in diesem Zusammenhang den FSJ‘ler des Harpstedter Turnerbundes (HTB); der wolle ein Fußballprojekt mit Flüchtlingen realisieren.

Unsere Zeitung kommt auf die Initiative zurück.

Kontakt:

• Winfried Schreppel (Tel.: 04244/967885),

• Pastor Gunnar Bösemann (Tel.: 04244/9687098),

• Harpstedter Kirchenbüro (Tel.: 04244/452).